Für jeden Engineering-Prozess gibt es die geeignete Software. Projekte
27/08/20

Wie finde ich die beste Software für das elektrotechnische Engineering?

Autor: Annika Pellmann

Software für das Engineering gibt es wie Sand am Meer. Doch wie finden Sie die Lösung, die optimal zu Ihren Aufgaben und Prozessen passt? Wir geben Tipps für die erste Orientierung im Software-Dschungel.

Die Verwendung der geeigneten Software-Tools kann den kompletten Arbeitsalltag im Engineering beeinflussen. Viele Unternehmen gehen lieber auf die vermeintlich kostengünstigere „Nummer sicher“, anstatt sich mit neuen Lösungen und längerfristigen Implementierungsphasen auseinanderzusetzen. Verständlich – doch um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, geht es letztendlich immer auch darum zu entscheiden: „Welche Lösung bringt mich und mein Unternehmen wirklich weiter?“. Diese vier Leitfragen, basierend auf Tipps von John Boyton, Senior Professional Service Engineer bei EPLAN UK, helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung.

John Boynton, EPLAN UKJohn Boyton ist seit rund 20 Jahren
Consulting-Experte bei EPLAN UK.

1. Was muss unsere neue Engineering-Software wirklich leisten können?

Zum Einstieg ergibt es Sinn, Ihre Schlüsselanforderungen an die Software zu definieren. Sie werden staunen, wie oft sich im Engineering bereits Potenziale ergeben, die ihr gesamtes Unternehmen beeinflussen können! Machen Sie sich daher folgende Punkte klar: Reicht es wirklich, mit der Software einfach nur Schaltpläne zu erstellen? Oder soll sie mehr können? Gibt es zum Beispiel repetitive Aufgabenbereiche, bei denen eine Automatisierung viel Zeit sparen würde? Diese könnten etwa die Drahtnummerierung, die Generierung von Stücklisten oder die Erstellung von E/A-Schemata für programmierbare Steuerungen umfassen. Wollen Sie, dass die Software Ihnen hilft, die von Ihren Kunden festgelegten und von Normen geforderten Designregeln einzuhalten? Möchten Sie wiederverwendbare Vorlagen entwickeln - zum Beispiel Motorstarter-Schaltungen – die unternehmensübergreifend genutzt werden können?

Auch wenn das Thema Automatisierung im Engineering zunächst nach viel Arbeit klingt: Engineering-Software kann Sie effektiv dabei unterstützen, zeitaufwändige Aufgaben zu reduzieren. So bleiben mehr Zeit und Ressourcen für die Entwicklung neuer Ideen und komplexere Aufgaben!

2. Wie kann die neue Software das gesamte Unternehmen voranbringen?

Oft lohnt es sich, vor der Kaufentscheidung einen Blick über den Tellerrand der eigenen Abteilung zu werfen:

Ein Thema, das bei der Auswahl der Engineering-Software häufig zu kurz kommt, aber in der Praxis über Erfolg oder Scheitern der neuen Lösung entscheiden kann: Funktioniert sie auch im Zusammenspiel mit anderen IT-Systemen reibungslos? Medienbrüche und manuelle Datenübertragungen sorgen schnell für Unmut. Standardisierte oder individuell entwickelte Schnittstellen können Abhilfe schaffen – auf diesen zusätzlichen Datenautobahnen können aber auch schnell wichtige Informationen verloren gehen. Eine aufwändigere, aber zugleich auch die effektivste Lösung: Die Integration der Engineering-Software in bestehende Systeme: Die Integration von PDM-Werkzeugen, die Produktdaten auf ihrem Weg durch den Produktlebenszyklus verwalten, kann für die tägliche Arbeit enorm hilfreich sein. Auch die Integration mit PLM- und ERP-Systemen kann komplette Unternehmensprozesse in Schwung bringen. Denn auch weit über die Elektrokonstruktion hinaus kann richtige Engineering-Software entscheidende Mehrwerte bieten: Sie kann dabei helfen, Stücklisten zu erstellen, weiterführende Informationen für die Angebotserstellung bereitzustellen oder sogar 3D-Zeichnungen an das Vertriebsteam für nachvollziehbare Visualisierungen des Endproduktes für die Kunden weiterzugeben.

Spätestens wenn die Engineering-Planung in die dritte Dimension geht, wird sie auch für nachgelagerte Prozesse entlang der gesamte Wertschöpfungskette hochrelevant: Wie wäre es mit der Erzeugung eines virtuellen Prototyps, der bereits vor der Fertigung des ersten Produktes zur Verfügung steht? Sicherlich wollen Sie mit Ihrer neuen Software auch eine möglichst detaillierte Dokumentation erstellen, die für die Inbetriebnahme und auch von Ihrem Endkunden weiterverwendet werden kann, bis hin zur Wartung- und Instandhaltung der fertigen Anlage. Im Optimalfall steht die Dokumentation dafür nicht nur in Form von ausgedruckten Plänen, sondern aktuell und digital zur Verfügung.

3. Ist jemand für uns da, wenn wir Beratung oder IT-Support brauchen?

Sie sehen: Eine gute Engineering-Software kann weitaus mehr leisten, als Sie im ersten Moment vielleicht angenommen haben. Um die vollen Potenziale tatsächlich nutzen zu können, erfordert es entweder IT-Spezialkenntnisse sowie lange Implementierungs- und Einarbeitungsphasen – oder erfahrene Experten, die nach individuellem Bedarf Unterstützung anbieten. Deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl der Software ebenfalls darauf zu achten, welche Serviceleistungen mit angeboten werden. Gibt es die Möglichkeit, sich vor, während und nach der Implementierung von Beratern unterstützen zu lassen? Werden Schulungsmöglichkeiten rund um die Software angeboten? Gibt es einen technischen Support, der bei kurzfristigen Anwendungsfragen schnell weiterhelfen kann? Mit anderen Worten: Nicht nur auf die Software, sondern auch auf die Services kommt es an!

4.  Welche Rolle spielt für uns der Preis bei der Entscheidung für unsere neue Engineering-Software?

Hand auf’s Herz: Eine neue Engineering-Software ist für viele Unternehmen eine nicht unwesentliche Investition. Geht es in die Entscheidungsfindung, fällt daher oft der erste Blick auf die Budgetplanung. Doch wie Punkt 1 bis 3 bereits zeigen: Eine Software, die mehr kann als „einfach nur Schaltpläne erstellen“, bringt Mehrwerte weit über das Engineering hinaus und kann letztendlich viel mehr Kosten einsparen, als durch sie zunächst entstehen mögen. Und: Abstriche bei der Leistungsfähigkeit der Software, der Implementierung oder zusätzlichen Beratungsleistungen können nachträglich erst richtig ins Geld gehen, wenn es mal nicht reibungslos läuft oder gar Liefertermine aufgrund stockender Datenflüsse nicht eingehalten werden können!

Und noch ein Tipp zum Schluss: Kaufen Sie nicht die Katze im Sack!

Lassen Sie sich beraten oder überzeugen Sie sich mit Live-Demos selbst, welche Lösungen zu Ihnen passen! Eplan bietet zum Beispiel neben ausführlichen (Online-)Beratungsgesprächen im direkten Kontakt mit dem Sales-Team regelmäßig auch kostenlose Webcasts und Events mit Eplan Experten an. Darüber hinaus gibt es bei der Eplan Training Academy ein breites Schulungsangebot, mit dem Anwender und Unternehmen zu Experten werden.

Diesen Artikel teilen ...

Kommentar verfassen