Die Anlagen der esmo AG prüfen Bauteile in kürzester Zeit. Projekte
14/05/20

Endlich da: Die mechatronische Stückliste

Autor: Birgit Hagelschuer

Die esmo AG hat in einem Pilotprojekt die Daten aus der mechanischen und elektrischen Konstruktion zusammengeführt. Das Ergebnis: eine mechatronische Stückliste und damit eine konsistente Datenhaltung.

Wer einer Prüfanlage der esmo AG bei der Arbeit zuschaut, muss sich schon sehr anstrengen, um die Bewegungsabläufe nachzuvollziehen. Denn die Indexzeit liegt – je nach Anwendungsbedarf – beispielsweise bei 0,6 Sekunden. In dieser kurzen Zeit werden die zu prüfenden Bauteile kontaktiert und auf ihre elektrischen, optischen, thermischen oder andere Eigenschaften getestet. esmo automation verfügt zudem über ein breites Kompetenzspektrum, das von der Bildverarbeitung (für die optische 3D-Prüfung) über das komplette Testing und Handling bis zur Teilezuführung und zur Integration in komplette Fertigungslinien reicht. Das Spektrum der immer individuell projektierten und gefertigten Automationsanlagen wird breiter, so dass Konstruktion, Beschaffung und Produktion im Schaltschrankbau komplexer werden.

Wunsch wird Wirklichkeit

Vor diesem Hintergrund entstand der Wunsch, die Prozesse in der Konstruktion zu vereinfachen. Florian Peter, Administrator in der Elektrokonstruktion: „Wir arbeiten mit Funktionsbaugruppen. Dies sind Unterbaugruppen der gesamten Anlage. Die Funktionsbaugruppen beinhalten die jeweiligen Komponenten wie Sensoren und Elektromotoren, die sowohl in der mechanischen als auch in der elektrischen Konstruktion repräsentiert sind.“ Der Abgleich zwischen beiden Gewerken bzw. zwischen Solidworks und Eplan war aber ursprünglich nur manuell möglich.

EPLAN esmoDie mechanische und elektrische Konstruktion sind in Funktionsbaugruppen gegliedert.

PDM schafft die Verbindung

Das Ziel war somit klar definiert: Die beiden Gewerke sollten automatisiert mit-einander verbunden und für die Abbildung der kaufmännischen Funktionen (Einkauf, Produktionsplanung etc.) an das ERP-System angebunden werden. Die Voraussetzungen waren durch die Einführung des PDM-Systems Pro.File von Procad bereits geschaffen. Peter Herr, Manager Design & Engineering: „Damit haben wir eine Plattform, die die Daten aus den beiden Gewerken zusammenführt.“

Aber die erforderlichen Informationen aus MCAD und ECAD waren dadurch noch nicht miteinander verknüpft. Dies wurde erst mit der Einführung des „Eplan Pro.File-Connectors“ hergestellt. Peter Herr: „Das Konzept und die Strategie der Umsetzung haben wir in Eigenregie erarbeitet. Wir konnten die Standardversion des Pro.File Connectors verwenden, wobei die Workshops und die Implementierung der Schnittstelle professionell durch ein Team von Cideon, Eplan und Procad umgesetzt wurde.“


mechatronische Stückliste EPLANDie mechatronische Stückliste führt die Daten aus der Mechanik- und Elektrokonstruktion zusammen.

Daten sind jetzt konsistent

Diese Schnittstelle ergänzt die Produktmodelle im PDM-System um ECAD-spezifische Daten wie Verbindungslisten, Schaltpläne und Stücklisten. Damit wird eine konsistente Datenhaltung möglich. Wenn beispielsweise in der mechanischen Konstruktion ein Sensor oder ein Elektromotor ausgetauscht wird, wird diese Änderung in einem in Pro.File erstellen Web-Bericht ersichtlich. Die Vorteile gehen aber noch über den automatischen Abgleich und die konsistente Haltung der Konstruktionsdaten in einer einzigen mechatronischen Stückliste hinaus. Peter Herr: „Sowohl die in Eplan als auch die in Solidworks generierten Daten werden nicht nur in Pro.File zusammengeführt. Sie sind – über Pro.File – auch in unserem ERP-System vorhanden und können dort einfach aufgerufen werden. Diese Funktion ist zum Beispiel für den Vertrieb wichtig.“

Damit haben die esmo-Konstrukteure ihr Ziel erreicht. Manche Vorteile der mechatronischen Stückliste werden erst jetzt, im Betrieb, offenkundig. Zum Beispiel lassen sich Baugruppen von vorhandenen Maschinen, die der Kunde als Reparaturteil bestellt hat, viel einfacher nachbauen, weil es nur noch einen CAD-Datensatz gibt und nicht zwei.

Fazit: Neue Wege lohnen sich

Mit der mechatronischen Stückliste hat esmo Neuland betreten: Ein solches Werkzeug gibt es in dieser Ausprägung in der CAD-Landschaft in kaum einem anderen Unternehmen. Die Vorteile sind – wie dargestellt – groß, der Aufwand gemessen daran klein. Das hier vorgestellte Beispiel darf anderen CAD-Anwendern Mut machen, den gleichen Weg zu gehen. Die mechatronische Stückliste als zentrale Datenplattform bringt die Konstruktion voran.

Bilder: esmo AG

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