Maritim-Branche und Schiffsautomatisierung Projekte
20/01/20

Starker Standard: FAQs  zur durchgängigen Schiffsautomatisierung mit MTP

Autor: Annika Pellmann

Eplan engagiert sich als VDMA-Mitglied für die Etablierung und Übertragung des verfahrenstechnischen Datenstandards MTP in der Maritim-Branche sowie der Schiffbauindustrie. Hintergründe und Wissenswertes lesen Sie in unseren FAQs.

Module Type Package (MTP) heißt das Zauberwort, wenn es um die Realisierung einer durchgängigen Schiffsautomatisierung geht. Im weitesten Sinne handelt es sich dabei um eine Normierung. VDMA, der größte Industrieverband Europas, hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen offenen Datenstandard in der Maritim-Branche flächendeckend zu etablieren. Als VDMA-Mitglied liefert Eplan Fragen und Antworten rund um den modularen Aufbau in der Schiffsautomatisierung.

Was sind Module im Sinne der Automatisierungstechnik?

Als Module werden Teilsysteme bezeichnet, welche sich innerhalb eines automatisierten Gesamtsystems separieren lassen. Beispiele dafür sind Hauptmotoren, Getriebe oder auch Klima-, Frischwasser- und Ballastwasseranlagen.

Wie werden Module in der Schiffsautomatisierung eingesetzt?

Der modulare Aufbau spielt speziell in der maritimen Automatisierung eine immer wichtigere Rolle. Große Gesamtsysteme werden in logisch kombinier- und automatisierbare Teilsysteme oder Module aufgeteilt. Als Module können dabei zum Beispiel (Teil-)Systeme der Energieerzeuger, Getriebe oder Schubantriebe gesehen werden. Auch Ver- sowie Entsorgungsanlagen werden häufig separat automatisiert, visualisiert und anschließend zu einer Gesamtanlage zusammengeführt.

Was genau ist MTP?

MTP ist eine aus der Verfahrenstechnik entstandene Norm. Dabei handelt es sich um die statische Beschreibung einer standardisierten Kommunikation zwischen Systemen und der Leitebene. Auf diese Weise wird die Komplexität entlang der schiffsbaulichen Wertschöpfungskette für alle Beteiligten reduziert und der Digitalisierungsprozess im maritimen Bereich deutlich erleichtert.

Das Modulbeschreibungs- und Datenaustauschformat definiert und beschreibt die Schnittstellen sowie Dienste der Automatisierungstechnik von Modulen. Dazu zählt zum Beispiel die Integration in die übergeordnete Prozessführungsebene (PFE). Der Fokus des MTP liegt dabei im Bereich der Schiffsautomatisierung. Im Kern geht es darum, im Engineering und in der Fertigung für den Schiffsbau einen modularen Aufbau zu erreichen.

Bei welchen Herausforderungen unterstützt die Arbeit mit MTP?

Die Integration von Modulen in eine übergeordnete Führungsebene ist meist mit großem Engineering-Aufwand verbunden. So schießen die dabei entstehenden Kosten schnell in die Höhe. Um dem entgegenzuwirken, wird mit MTP eine Schnittstellenbeschreibung festgelegt, welche mit geringem Aufwand ganze Module zu komplexen Gesamtanlagen zusammenführt. Hierunter wird nicht nur die Datenkommunikation zwischen den einzelnen Teilsystemen verstanden − vielmehr wird ein Modul auf Basis einer herstellerunabhängigen Schnittstelle beschrieben. 

Warum sollten Unternehmen in der Schiffsautomatisierung mit MTP arbeiten?

Es gibt viele gute Gründe, im Engineering rund um die Schiffsbauautomatisierung auf MTP zu setzen:

  • Weniger Probleme und Risiken bei Modifikationen, Umrüstungen und Umbauten
  • Vereinfachte Projektierungsphase sowie leichtere Fehlerbehebung
  • Klare Definition der Hardware- und Systemgrenzen sowie ein geringerer Koordinationsaufwand
  • Standardisierte Testverfahren für Schnittstellen
  • Standardisiertes Verfahren zur Integration in SCADA (Supervisory control and data acquisition)-Systeme
  • Vereinfachte Abnahme der Datenschnittstellen im Dateisystem FAT (File Allocation Table), wodurch sich die Inbetriebnahme beschleunigt
  • Risikominimierung bei der Datenübertragung
  • Mehr Flexibilität und Zeit, um sich auf wesentliche Engineering-Aufgaben zu konzentrieren

 

Weiterführende Mehrwerte:

  • Durch die flexible Verwendbarkeit der Daten entstehen neue Möglichkeiten für Ihre Nutzung. Betreiber können zum Beispiel von softwarebasierten Service- und Wartungskonzepten profitieren.
  • Last, but not least, bringt die Nutzung von MTP durch Zeit- und Kostenersparnisse klare Wettbewerbsvorteile. Und das für alle Branchenakteure, von Anlagenbetreibern über Reedereien und Werften bis hin zu Systemlieferanten und –integratoren.

Hintergrund: Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems

Die Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems ist Teil des VDMA. Zahlreiche Unternehmen aus der Automatisierungsindustrie arbeiten gemeinsam an einer standardisierten Maschinen-Plattform-Kommunikation für die Maritim-Branche. Ziel ist es dabei, dass Anlagen und Komponenten künftig vollautomatisch in übergeordnete Systeme integriert werden können.

Als VDMA-Mitglied engagiert sich Eplan unter anderem in diesem Arbeitskreis und treibt darüber die Etablierung von MTP in der Schiffsautomatisierung voran.

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