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2/04/20

Smart ist Trumpf - Teil 4: Smart Service

Autor: Gregor Karasinsky

Im Störungsfall Kosten zu sparen, ist besonders wichtig. Warum? Früher oder später kommt jede Maschine einmal zum Stehen, da Teile und Komponenten eine begrenzte Lebensdauer haben. Als Faustregel gilt: Je schneller die Maschine wieder einsatzbereit ist, desto mehr Kosten werden gespart. Mit Smart Service sind Sie für den Störungsfall gerüstet! Ein Beitrag aus der Reihe "Smart ist Trumpf".

Das Streben nach der unfehlbaren Maschine oder Anlage ist gut - definitiv. Besser aber ist es, wenn Sie einen handfesten Plan oder eine erfolgreiche Strategie für den durchaus realistischen Störungsfall haben: Teile und Komponenten haben einfach eine begrenzte Lebensdauer. Natürlich holt man die Strategie nicht einfach bei Bedarf aus dem Schrank und verstaut sie anschließend wieder, bis zur nächsten Fehlfunktion. Vielmehr müssen für das rasche Reagieren im Fehlerfall Prozesse von vornherein so ausgerichtet sein und ineinandergreifen, dass integriertes Arbeiten und schnelles Handeln möglich sind.

Wie auch schon bei Smart Customisation, Smart Engineering und Smart Production sind die Basis hierfür intelligente oder "smarte" Daten. Diese stehen im Wertschöpfungsprozess jederzeit und genau dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden. Während der Betriebsphase einer Maschine oder Anlage lassen sich im Störungsfall so enorme Kosten sparen: Smart Service!

Smart Data im Wertschöpfungsprozess

Smart Service (richtig) umsetzen

Starten wir mit einem imaginären aber durchaus realistischen Praxisbeispiel einer Abfüllanlage:

Es ist Freitagnachmittag und der Kollege in der Fertigung freut sich aufs Wochenende. Plötzlich stoppt die Maschine den Transport von mehr als 1.000 Flaschen pro Stunde. Die Produktion steht still, Hektik bricht aus, das Problem muss gelöst werden.

Der Techniker eilt zum Schaltschrank, kann den Schaltplan allerdings nicht finden, woraufhin er in der Engineering-Abteilung anruft und nachfragt. In einem Labyrinth an PDFs findet der Techniker zwar die Dokumentation und druckt jede Menge Seiten Papier aus, in der Zwischenzeit arbeitet er jedoch bereits seit gut einer Stunde an der Lösung und die Maschine steht weiter still. Denn das fehlerhafte Teil muss in der gedruckten Dokumentation erst gefunden werden, es gibt jedoch keinen Überblick über die verbauten Komponenten oder Materialien.

Letztendlich findet der Techniker zwar den Fehler am Relais, wo die SPS-Steuerung kein Signal sendet, kann ihn beheben und die Maschine wieder in Gang setzten. Die aufgrund vieler Schleifen und fehlender Daten entstandene Ausfallzeit der Maschine geht jedoch mit mangelnder Produktivität und damit unnötigen Kosten einher. Kosten, die mit einem anderen ("smarten") Ansatz minimiert werden können.

Vier wichtige Punkte auf dem Weg zum intelligenten Service

Situationen wie im Beispiel oben sind mit einer aussagekräftigen und digital uneingeschränkt verfügbaren Dokumentation sowie einem gut durchdachten Prozess weitestgehend vermeidbar. Nachfolgend finden Sie vier Punkte, die Sie im Kontext Smart Service beachten sollten.

  1. Punkt 1: Intelligente Daten in der Cloud

Daten sind in jedem Prozessschritt der Pulsschlag und damit der kritische Punkt in einem reibungslosen Ablauf. Doch gerade in der Instandhaltung können Sie mit Smart Data wesentliche Effizienzvorteile erzielen und Kosten sparen. Betrachtet man die Lebensdauer einer Maschine oder Anlage, dann macht der Anteil der Wartung innerhalb der effektiven Inbetriebnahme mehr als 75 Prozent des Produktlebenszyklus aus. Deshalb sind Aktualität und Aussagefähigkeit der Dokumentation in dieser Phase besonders wichtig.

Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass die gewissenhafte Dokumentation in der Instandhaltung häufig vernachlässigt wird - bis die Maschine eben ausfällt. 

In dem Fall können Sie viel Zeit gewinnen, wenn die Dokumentation jederzeit und überall verfügbar ist: allerdings nicht auf Papier, sondern in einer Cloud-Umgebung. Auf diese Weise können Dokumentation und Maschine effizient miteinander verknüpft werden. An der Maschine angebrachte QR-Codes können auf die Dokumentation in der Cloud verweisen.

Ihre Vorteile:

- Bei einem Ausfall der Maschine oder Anlage haben Sie sofort die Dokumentation zur Hand.

- Sie können sicher sein, dass es sich um die richtige Version handelt.

- Sie machen einen ersten Schritt in Richtung Smart Service.

  1. Punkt 2: Fokus auf Standardisierung statt Flexibilität

Lassen Sie sich nicht einreden, dass Standardisierung negative Auswirkungen auf die Flexibilität hat. Der Nutzen aus der Standardisierung ist um ein Vielfaches höher als mögliche Einschränkungen der Flexibilität. Mit Blick auf einen smarten Service gibt es zwei Möglichkeiten der Standardisierung:

Weg 1: Standardisierung von Materialien:

Standardisierung der Materialien heißt nicht, sich für einen Hersteller oder einen Gerätetyp entscheiden zu müssen. Es geht eher darum, über den reinen Materialpreis hinaus auch weitere Aspekte in die Material-Entscheidung einfließen zu lassen.

Ein Beispiel: In vielen Situationen entscheidet der Einkaufsleiter, welche Materialien bestellt werden. Der Faktor Preis spielt hier tendenziell die größte Rolle. Sollte er aber nicht, da bei der Entscheidung zum Beispiel auch die Wartung berücksichtigt werden muss. Die Aufwände und damit verbundenen Kosten für Weiterentwicklung, Wartung, Eingabe neuer Materialcodes usw., die bei der Wahl neuer, einfach günstigerer Materialien oder Komponenten anfallen, liegen in der Regel über dem Preisvorteil, den der Einkauf vor Augen hat. Oder anders formuliert: Das Abwägen und sorgfältige Nachdenken über die Wahl der Materialien im Voraus geht über die reine Preisentscheidung hinaus; Ein intelligenter Ansatz ist das Geld wert.

Weg 2: Standardisierung der Dokumentation:

In der Praxis werden in Maschinenparks häufig mehrere Normen in den unterschiedlichen Dokumentationen der einzelnen Maschinen verwendet - und somit kein einheitlicher Standard. Im Störungsfall hier den Fehler zu finden, ist gerade in Stresssituationen nervenaufreibend und zeitaufwendig - eine klare und einheitliche Dokumentation ist ein Muss.

Darüber hinaus sorgen Sie mit einer unmissverständlichen Standardisierung der Dokumentation dafür, dass neue Kollegen leichter eingearbeitet und geschult werden können. Da das Wissen im System enthalten ist, bleibt es sicher im Unternehmen, und Sie machen einen weiteren Schritt in Richtung Smart Service.

  • Punkt 3: Setzen Sie auf ein Revisionssystem

Reicht es aus, das Datum in der neuen Version Ihrer Dokumentation anzupassen? Oder machen Sie aus Version eins, Version zwei? In beiden Fällen lautet die Antwort nein. Mit einem Revisionssystem machen Sie den nächsten Schritt in Richtung Smart Service. Nicht nur für Ihre eigenen Mitarbeiter, sondern auch für externe Parteien.

Auf Projektebene ist ein PDM-System nahezu ein Muss. Sobald eine Änderung an einem freigegebenen Dokument vorgenommen wird, startet das PDM - oder bei entsprechender Progammierung alternativ das Eplan System - einen Workflow, der die korrekte Verarbeitung der Daten gewährleistet.

Änderungen aus der Konstruktionsabteilung müssen im Detail in einem Revisionssystem verarbeitet werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, mit verschiedenen Stücklisten zu arbeiten, in denen ersichtlich wird, welche Geräte in einer Anlage ausgetauscht, welche zurückgegeben und welche Geräte wiederverwendet werden können.

  • Punkt 4: Cloud ist die Zukunft - auch bei der Wartung

    Wenn Sie auf einen Fehler in einer Maschine oder Anlage stoßen, ist es gut möglich, dass dieser in mehreren verwendeten Komponenten auftaucht. Durch die Fortführung der Wartung auf Cloud-Ebene können Sie unter anderem aus der Dokumentation heraus auf die Cloud-Landschaft des Lieferanten verweisen. Aber es geht noch weiter: Durch die Vernetzung der Daten über die gemeinsame Cloud-Ablage kann in Echtzeit am Fehler gearbeitet und dieser behoben werden.

    Wartung auf Cloud-EbeneDurch die Wartung auf Cloud-Ebene kann auf die Cloud-Landschaften von Lieferanten verwiesen und in Echtzeit an Fehlern gearbeitet werden.


    Oder nehmen wir an, das Dashboard einer bestimmten Maschinenlinie zeigt einen Fehler an. Mit Hilfe intelligenter Daten in der Cloud steht sofort die richtige Seite der Dokumentation zur Verfügung, der Fehler kann gezielt angegangen und die Maschine viel schneller wieder instandgesetzt werden.

     

    Fazit

    Intelligentes Arbeiten ist integriertes Arbeiten. Durch die integrierte Arbeitsweise generieren Sie smarte Daten und arbeiten mit diesen über alle Phasen der Wertschöpfung hinweg. So können Sie die Durchlaufzeit Ihrer Projekte verkürzen sowie die Kosten reduzieren und besser kontrollieren. Durch eine höhere Produktqualität schaffen Sie letztlich einen signifikanten Mehrwert für Ihre Kunden.


Der Ideengeber und Initiator dieses Artikels ist Marijn Roels, Eplan Belgien.

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