Chance Trends
18/07/19

Wenn Change zur Chance wird: Sebastian Seitz über Fortschritt und digitale Geschäftsmodelle

Autor: Annika Pellmann

Fortschritt funktioniert nur mit Veränderungen. Im Gespräch mit s4e erklärt Sebastian Seitz, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Eplan und Cideon, welche Bedeutung Change für sein Unternehmen hat und warum die Branche reif für neue Geschäftsmodelle ist.

Herr Seitz, warum ist Change-Management seit jeher ein wichtiges Thema für Eplan?

Sebastian Seitz: Wenn Unternehmen sich für die Einführung unserer Software entscheiden, hat die Geschäftsführung meist ein klares Ziel vor Augen: Sie möchte effizienter und schlanker arbeiten. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, sollen beispielsweise Projektierungszeiten reduziert, Fertigungszeiten verkürzt sowie Prozesse digitalisiert und automatisiert werden. Doch mit einer reinen Softwareeinführung ist es nicht getan: Der Gesamtprozess muss stimmig sein und die Softwarenutzung mit den vor- und nachgelagerten Schritten harmonieren. Menschen fällt es in der Regel leichter, vertraute Arbeitsweisen zu verändern, wenn sie den Sinn dahinter fassen können.

Wie unterstützt Eplan dabei, Prozesse zu automatisieren und Arbeitsweisen zu verändern?

Zum einen kann unser Consulting mit Erfahrung und Know-how helfen, einen stimmigen Gesamtprozess zu schaffen. Zum anderen ist es wichtig, dass die Mitarbeiter die Software nicht nur bedienen, sondern wirklich benutzen können und sich im Umgang mit ihr sicher fühlen. Hier begleiten wir unsere Kunden mit passenden Schulungen, die den Übergang erleichtern und den späteren Erfolg sichern.

Befindet sich Eplan selbst ebenfalls in einem Change-Prozess?

Wie jedes Unternehmen, das erfolgreich im Markt bleiben möchte, schauen auch wir, wie wir Prozesse kontinuierlich optimieren und neue Geschäftsfelder für uns entdecken können. Und wie viele andere treibt auch uns die Digitalisierung an. Eplan ist hier sehr gut unterwegs, und Teile der Organisation sind schon heute entsprechend aufgestellt. Das möchten wir gern verstärken: In den kommenden fünf Jahren werden wir unsere Geschäftsprozesse weitestgehend digitalisiert haben und neue digitale Geschäftsmodelle auf den Weg bringen. Auf diese Weise wollen wir in Zukunft noch schneller und proaktiv auf Kundenpräferenzen und -anforderungen eingehen können.

Wie gehen Sie bei der Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle vor?

Derzeit entsteht Eplan ePULSE unser cloudbasiertes Lösungsangebot, das die bekannte Eplan Plattform um weitere Applikationen und Services ergänzen wird. Damit reagieren wir auf die zunehmenden Anforderungen unserer Kunden. Für diese Entwicklung haben wir uns umstrukturiert und eine neue Unit aufgestellt. Sie interagiert in einer Matrixorganisation und setzt frische Impulse. Dabei wagen wir auch zu experimentieren: Das komplette Team ist darauf eingestellt, dass nicht jede Idee das Licht der Welt erblicken wird. Unsere gemeinsame Vision ist es, ein umfassendes und innovatives Ökosystem für Automatisierungsprojekte aufzubauen, das seinen Usern einen Mehrwert an Services und Interaktionen bietet.

Einige namhafte Unternehmen der Branche sind ähnlich gestartet und haben durch ihre Plattformen Märkte verändert. Wo steht Eplan?

Wir sind schon länger mit cloudbasierten Netzwerkmodellen aktiv. So erreicht beispielsweise das Eplan Data Portal bereits heute mehr als 250.000 Anwender online und verbindet diese mit den Daten der Komponentenhersteller. Und wir zählen täglich neue User! Das Wachstum dieser Zahlen ist wichtig, denn je mehr User das Portal nutzen, desto mehr Hersteller zieht es an, die ihre Geräte- und Komponentendaten darüber zugänglich machen. Und je mehr Hersteller ihre Daten über das Portal veröffentlichen, desto attraktiver wird es für die User und lädt sie ein, Feedback zu geben und Produkte zu bewerten. Auf diese Weise profitieren alle.

Warum ist das Umfeld von Eplan gerade jetzt reif für die Plattformökonomie?

Die Industrie hat in Sachen Digitalisierung eine neue Trendwende hingelegt: Hielt 2016 noch fast die Hälfte aller deutschen Industrieunternehmen Digitalisierungsprojekte für unnötig, sind es heute lediglich 29 Prozent. Laut des aktuellen Wirtschaftsindexes Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie binden 67 Prozent der Organisationen, die im Maschinenbau aktiv sind, Digitalisierungsthemen in ihre Unternehmensstrategie ein. Unsere Aufgabe als Softwareanbieter ist es, im Sinne unserer Kunden ein paar Schritte voraus zu sein: Wenn diese mit ihrem persönlichen Transformationsprozess beginnen, dann wollen sie dabei auch auf die passenden Lösungen von uns zugreifen. Sprich: Unsere Kunden wollen nicht auf uns warten müssen. Für sie möchten wir ein durchgängiges Kundenerlebnis mit vertrauter Eplan Qualität schaffen.

Warum ist beispielsweise die Cloud so attraktiv für Softwareanwender?

Unternehmen, die Cloud-Produkte einsetzen, müssen sich nicht mehr um die Installation und Pflege der Software im eigenen Haus kümmern. Das spart Kosten, ist komfortabler und sicherer als manches in die Jahre gekommene Rechenzentrum. Die Softwarelösung ist immer aktuell und bei allen Anwendern auf dem gleichen Stand. Natürlich wird die Zusammenarbeit gestärkt: Die Cloud ist ideal für die unternehmens- und standortübergreifende Kollaboration an gemeinsamen Dateien. Deshalb fällt das Feedback zu unserer Lösung Eplan eVIEW so positiv aus. Endlich können mehrere Anwender auf dasselbe Automatisierungs-Projekt zugreifen, es anschauen und kommentieren.

Sebastian Seitz im Interview mit der s4e über Fortschitt, Cloud und Netzwerke.Sebastian Seitz ist CEO bei Eplan und Cideon. Er sieht den Wandel als Chance – vor allem für Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse optimieren wollen.

Am Puls der Zeit

Weitere Trend-Themen rund um Engineering, Digitalisierung und Industrie 4.0 lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der s4e.

Download s4e 1/19

Magazin s4e: Engineering am Puls der Zeit

Verwandte Themen:
Diesen Artikel teilen ...

Kommentar verfassen