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17/06/19

Interview: Wertschöpfungsprozesse im Engineering optimieren

Autor: Birgit Hagelschuer
Das Ziel ist klar: Schaltschränke als zentralen Bestandteil der Automatisierung automatisiert fertigen und intelligent in die Automatisierungslandschaft einbinden. Wie das funktioniert? Das Digital Factory Journal sprach dazu mit Sebastian Seitz.

„Alle unsere Eplan Produkte – angefangen bei Preplanning, Harness proD, Fluid bis Electric P8, Pro Panel und Smart Wiring, inklusive dem Data Portal – dienen dazu, die Engineeringprozesse unserer Kunden von der ersten Vorplanung bis zum detaillierten Engineering und dem virtuellen Aufbau eines Schaltschranks zu unterstützen“, betont Sebastian Seitz. Das Ziel dabei ist die umfassende Unterstützung des kompletten Wertschöpfungsprozesses.

Interview mit Sebastian Seitz    
Der Vorteil von Eplan liegt in der integrierten Plattform. „Wir können an unterschiedlichen Stellen Medienbrüche auf Kundenseite und daraus resultierende Informationsverluste auf der Engineeringseite vermeiden“, ergänzt der Firmenchef. „Alle Informationen – beispielsweise aus dem Preplanning-Modul - werden 1:1 weiterverwendet.“ Somit kann der Schaltschrank als Teil eines Gesamtautomatisierungssystems abgebildet werden – auch in dreidimensionaler Darstellung. Adressiert wird auch der Austausch der Daten zwischen allen Beteiligten; dies ist zum Beispiel wichtig bei einer Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern.

Bei all diesen Themen muss laut Sebastian Seitz der Begriff „Kunde“ spezifiziert werden: „Maschinen- und Anlagenbauer sowie -betreiber sowie dafür tätige Systemintegratoren stellen unterschiedliche Ansprüche. In der Entwicklung gibt es andere Prioritäten als im Service und im Maintenance-Fall.“ Die Wertschöpfungsbereiche der Anwender sind unterschiedlich. Daraus resultiert, dass Anwender auch unterschiedliche Unterstützung benötigen. „Bei Eplan spielt aber der Maschinenbau mit etwa 50 % Anteil an den Kunden eine wesentliche Rolle“, fügt der Geschäftsführer an.

Strukturierte Analyse für mehr Kundennutzen

Ziel bleibt es, immer enger die Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. „Mit dem bereits zur letzten SPS entwickelten Efficiency Lab diskutieren wir mit unseren Kunden verstärkt über Content“, setzt der Manager fort. Dazu wurde intern eine Methodik entwickelt, mit der wir anhand eines vorstrukturierten Fragenkatalogs mit dem Kunden gemeinsam sozusagen ein Bild seiner bestehenden und gewünschten Automatisierungslandschaft, quasi als Ist-Soll-Vergleich, skizzieren und entwickeln. Aus diesem Bild heraus werden Lösungsvorschläge erarbeitet, die den teils komplexen Anforderungen der Anwender dienen und letztendlich zu einem konkreten Angebot führen können.“

Sebastian Seitz im Interview„Mit dem Efficiency Lab finden wir heraus, wie unsere Kunden und Interessenten heute aufgestellt sind und wo wir spezifische Ansatzpunkte zur Generierung von Kundennutzen finden können“, betont Sebastian Seitz. Aus einer strukturierte Analyse werden Ansatzpunkte für Optimierungen entwickelt, die bei komplexen Anwendungsfällen zum Beispiel auch Schulungen enthalten können. „Die Einrichtung ‚Efficiency Lab‘ führen wir kontinuierlich weiter und bedienen uns dieser strukturierten Vorgehensweise, die ihrerseits beständig optimiert und verfeinert wird“, erläutert der Manager. Mehrwert entsteht nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei Eplan selbst.

Wichtige Datenbasis für weniger Projektierungsaufwand

Als wichtige Datenbasis für den Engineeringprozess hat sich das Eplan Data Portal etabliert. Das Portal enthält elektronische Produktkataloge von rund 270 Herstellern und liefert den Anwendern 870 000 aktuelle Gerätedaten für deren Engineering-prozess. „Wir haben für unser Data Portal bereits etwa 200 000 Anwender aus unterschiedlichen Bereichen“, so Sebastian Seitz. „Das sind übrigens mehr als bei der Eplan Plattform.“ Die einfache Übernahme der angebotenen Komponenten per Drag-and-Drop in die Eplan Dokumentation reduziert den Projektierungsaufwand und erhöht die Qualität der Maschinen- und Anlagendokumentation.

Datenqualität im Fokus

In Zukunft wird die Bildung von Standards noch stärker in den Fokus gerückt; also die Frage, welche Daten tatsächlich benötigt werden, um sowohl den Engineering- als dann auch die Fertigungs- und Service-Prozesse vollständig abzubilden. Er nennt ein Beispiel: „Wenn beispielsweise in einem Schaltschrank die Verdrahtung automatisiert werden soll, ist die die Art der Verbindungsherstellung – Push-in oder Verschraubung – für den Roboter wichtig.“ Somit nehmen auch die Datentiefe und -menge mit steigender Automatisierung zu.
 
Die Hersteller haben ein großes Interesse daran, eine Vielzahl von Daten an zentraler Stelle zur Verfügung zu haben. Die Frage, welche Daten gesammelt und verfügbar gemacht werden müssen, ist also für Eplan, Anwender und Komponentenhersteller von großem Interesse. „Derzeit legen wir die Standards für die Vollständigkeit und die Qualität von Daten in Data Portal mit einigen Anwendern fest“, erläutert Sebastian Seitz. „In Kürze werden darüber hinaus die Komponentenhersteller einbezogen.“ Viele Eplan Anwender haben auf Basis der Daten aus Data Portal ihre eigenen Artikelbestände erstellt. Dieses Wissen lässt sich dann wieder für eine gemeinsame Lösung nutzen.
„Die Dokumentation muss ‚leben‘ und ständig aktualisiert werden, das gilt auch für den Schaltplan, oder das entsprechende Eplan Projekt“, setzt der Manager fort. „Der eleganteste Weg dazu ist digitalisiert. Mit der Cloud lässt sich einfach kollaborativ arbeiten.“ Zur Abbildung aller Prozesse ist der Schaltplan „eine unterschätzte Quelle: Er liefert den Kontext aller Komponenten im IoT-Szenario. Insofern glauben wir daran, dass unser Asset im Gesamtlebenszyklus einen hohen Stellenwert hat. Im Zeitalter der Digitalisierung setzen unsere Kunden mit Eplan ePulse auf 100 % digitale Daten“, berichtet der Firmenchef. Dafür hat Eplan eine neue Cloudeinheit geschaffen, die im Stil heutiger Denkfabriken frische Impulse setzt. Hier wird experimentiert und im Kontext mit Kunden und Partnern diskutiert.
 
Vom Nutzen der unterschiedlichen IoT-Plattformlandschaften für Anwender ist Sebastian Seitz zum heutigen Zeitpunkt nicht überzeugt. Abgesehen vom Thema Predictive Maintenance müssen die echten Business Cases erst noch entstehen. „Echter Kundennutzen kann nur aus dem Kontext der Daten entstehen“, schließt er an. „Je klarer der Nutzen für den Kunden definiert werden kann, umso klarer lässt sich darauf ein Geschäftsmodell aufbauen.“ Die reine Datenbereitstellung ist das kleinste Problem. Viel entscheidender wird der Kontext der Daten sein, zum Beispiel in welchem Zusammenhang ein bestimmter Sensor mit einem Aktor steht. Dies sieht er als Stärke von Eplan an.

Der Schaltschrank der Zukunft

„Sämtliche mechanische Arbeiten in der Schaltschrankproduktion können vermutlich automatisiert werden“, blickt Sebastian Seitz in die Zukunft. „Automatisierte Klemmenbestückung und Kabelkonfektionierung sind bereits heute Realität.“ Zukünftig folgt auch die automatisierte Verdrahtung. Eine Herausforderung bleibt laut dem Geschäftsführer die Varianz: „Intelligente Systeme werden aber bis hinunter zur Stückzahl 1 abgebildet werden können.“ Fest steht: Bei der Projektierung nehmen die Unterstützungsfunktionen weiter zu. „Viele individuelle Tätigkeiten lassen sich noch automatisieren“, schließt der Geschäftsführer ab.
 Digital Factory Journal 3_19
 
Das Interview ist ein Auszug aus dem Orig.-Interview - erschienen im Digital Factory Journal (VDE Verlag), Ausgabe 3/19.
 
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