Claas Schreibmüller, Head of Workflow & Collaboration bei Eplan, setzt sich in seiner Freizeit für Childhood ein.
27/01/22

Lösungskompetenz mal anders angewandt: Claas Schreibmüller engagiert sich für Kinderschutz

Autor: Birgit Hagelschuer Lesezeit: Minute Minuten

Dass im Engineering Lösungskompetenz verlangt wird, ist nicht überraschend! Dass diese auch im Kinderschutz gebraucht wird, zeigt das Engagement von Claas Schreibmüller: Er setzt sich in seiner Freizeit bei "Childhood" ein und gewährt uns ein paar Einblicke.

Big Data, Cloud, Ökosysteme und Engineering-Software – das sind ganz typische Themen, mit denen sich Claas Schreibmüller täglich auseinandersetzt. Der 38-jährige ist Head of Workflow & Collaboration im Bereich Software Solutions bei Eplan und häufig nachgefragter Experte, geht es um komplexe Zusammenhänge und Aufgabenstellungen im Engineering.

Um komplexe Themen geht es auch in seiner ehrenamtlichen Arbeit bei der World Childhood Foundation in Deutschland. Vielleicht ist es exakt seine Lösungskompetenz, die ihm dort den Titel „Mädchen für alles“ eingebracht hat. Denn genau das kann er: In komplexen Herausforderungen – oft auch technischer Natur – schnell eine passende Lösung finden und diese dann allen Beteiligten erklärbar und nutzbar machen.

Was treibt ihn an, sich in seiner durchaus knapp bemessenen Freizeit für Mädchen und Jungen einzusetzen, die Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung erfahren haben? Wir fragen nach beim Vater einer 5-jährigen Tochter…

Childhood-Haus Berlin 003 (copyright Childhood Deutschland, Michael Bader)"Nicht wegschauen" ist die Devise von Claas Schreibmüller, der sich privat für den Kinderschutz engagiert (Bild: Childhood Deutschland, Michael Bader).

"Wir ändern Kinderschutz" (Leitsatz von Childhood)

Claas, was hat dich dazu veranlasst, dich bei Childhood zu engagieren? Gab es ein prägendes Ereignis oder etwa eine Begegnung?

Wie so oft begann alles mit einem Kontakt: Meine Frau und ich kennen privat Anka Wittenberg, die sich als Vorstandsvorsitzende seit vielen Jahren für die World Childhood Foundation engagiert. Zusätzlich gab es ca. ein Jahr zuvor ein Ereignis in meiner Heimat, das mich persönlich sehr berührt hat. Mitte 2020 lernte ich dann das Team von Childhood in Deutschland kennen und die Leidenschaft „sich für den Kinderschutz stark zu machen“ hat mich mitgenommen. Und mich ganz persönlich zum Handeln motiviert.

In Pandemiezeiten ist der Schutz von Kindern stärker in den öffentlichen Fokus gerückt. Hat sich aus deiner Sicht die Lage in den letzten zwei Jahren verschärft?

Leider ja, und das zeigt auch die Übersicht der PKS (Polizeiliche Kriminalstatistiken). Die Fallzahlen sind deutlich gestiegen und sie sind nur ein Abbild der dokumentierten Fälle. Die Dunkelziffer ist vermutlich ebenfalls deutlich angestiegen.

Nun bist du nicht Sozialarbeiter oder Arzt, sondern Ingenieur – also mehr im Hintergrund aktiv. Magst du uns mal ein Projekt beschreiben, das du übernommen hast?

Gern! Dazu muss man wissen, wie das Team in Deutschland aufgestellt ist. Es gibt ein Büro in Stuttgart und weitere Kolleginnen, die ausschließlich im Home-Office arbeiten. Die größte Herausforderung bestand darin, sinnvoll die Projektarbeit auf zentraler Datenbasis zu erreichen – das Thema kenne ich ja nur zu gut aus meinem Daily Business im Engineering (zwinkert)! Das Team miteinander vernetzen und somit die Zusammenarbeit stärken war also Kernpunkt meiner Aufgabe. Hier ging es zunächst darum, eine Bestandaufnahme der aktuellen Arbeitsweisen, Infrastrukturen, Datenablagen und Workflows zu machen und darauf basierend eine Lösung zu schaffen.

Die Implementierung von Microsoft 365 war dabei ein zentraler Baustein. Einführung von Teams, sowie Schulungen neuer Konzepte, Umgang mit der Datenablage sowie die Sensibilisierung für Sicherheit und Datenschutz spielten hier eine wesentliche Rolle. Und wie bei so manchem meiner üblichen Kundenprojekte war die Herausforderung, alles im laufenden Betrieb zu implementieren – also echt spannend!

Childhood-Haus 001 (copyright Childhood Deutschland, Michael Bader)Im Childhood-Haus stehen die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt (Bild: Childhood Deutschland, Michael Bader).

Kinderschutz ist kein einfaches Thema – was hat dich in deinem Engagement bestärkt?

Als Familienvater bin ich – sagen wir mal leichtfertig – davon ausgegangen, dass betroffene Kinder gut in unserem System aufgefangen werden. Hier wurde ich offen gesagt eines Besseren belehrt. Childhood hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderschutz zu ändern (oder besser gesagt, ihn noch gezielter auf die Bedürfnisse der Kinder auszurichten). In Deutschland sind dazu bislang gemeinsam mit Trägerschaften acht Childhood-Häuser entstanden.

Wenn ich im Hintergrund z.B. für die optimierte Zusammenarbeit sorge, dann sorge ich für Entlastung in dem fünfköpfigen Team, das direkt an der Basis arbeitet. Wer hätte sich vor ein paar Jahren vorstellen können, dass Pandemie-bedingt die Zusammenarbeit zeitweise komplett auf den virtuellen Raum verlagert werden muss? Durch mein Engagement habe ich die Zusammenarbeit „am Laufen gehalten“ und damit indirekt dazu beigetragen, den gerade jetzt so dringend benötigten Kinderschutz zu erhalten bzw. auszubauen. In Zeiten einer Pandemie und gestiegener Fallzahlen ist das für mich Motivation genug, mich auch weiter einzusetzen.

Jetzt fragen sich sicher manche: Was kann ich als Einzelner tun? Hast du für uns den einen oder anderen Tipp?

Im Wesentlichen nicht wegschauen – das ist der erste und wichtigste Schritt. Unabhängig von Herkunft und Sozialstatus eines Kindes: Wir sollten jedes Kind ernst nehmen. Betroffene Kinder erzählen meistens ihren Freunden als erstes von dem Erlebten. Hören Sie also einfach ihren Kindern gut zu und wenn ein Anfangsverdacht aufkommt, wenden Sie sich an ein zentrales Hilfetelefon (regionale Hilfsangebote finden Sie über Ihre Kommune und das lokale Jugendamt).

Falls jemand Childhood unterstützen möchte – was würdest du ihm empfehlen?

Ohne die treuen Spender und Projektpartner wäre Childhood nicht so weit gekommen, die Lebensrealität so vieler Kinder unserer Gesellschaft zu verbessern. Daher die Bitte: Nicht wegschauen und den Kinderschutz nicht für selbstverständlich nehmen. Auf www.childhood-de.org finden Sie viele Informationen zu der Organisation. Bei Fragen können Sie mich gern ansprechen unter claas.schreibmueller@childhood-de.org . Und wer die Organisation finanziell unterstützen möchte, findet auf der Website alle Spendeninformationen.

Dank dir, Claas, für das interessante Gespräch und die Perspektiven, die du uns auf dein Engagement gegeben hast. Schauen wir also aufmerksam auf die Kinder und geben ihnen den Schutz, den sie benötigen.

Über Childhood:

Die World Childhood Foundation wurde unter Schirmherrschaft von Königin Silvia von Schweden in 1999 gegründet und ihr Grundsatz lässt aufhorchen: Kindern wird auf Augenhöhe begegnet. Zentraler Angelpunkt für dieses Handeln sind die UN-Kinderrechte – den Verantwortlichen geht es um einen Perspektivwechsel im Sinne von Kindern und echter Partizipation.

Im Childhood-Haus können betroffene Kinder und Jugendliche in kindgerechter Umgebung untersucht und begleitet werden. Acht Häuser von Hamburg und Berlin über Leipzig, Düsseldorf, Heidelberg bis Ortenau/Stuttgart gibt es derzeit in Deutschland. Das Ziel ist ambitioniert. Jedes Bundesland soll in den kommenden Jahren ein Haus „beherbergen“, um eine ambulante, flächendeckende Versorgung von Kindern sicher zu stellen.

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