Maschine mit Bohrer und Metallspähnen
10/02/22

Mechatronik früher | Digitalisierung heute? Keinesfalls, sagt Sebastian Seitz, CEO von Eplan. Nur die Schwerpunkte ändern sich!

Autor: Birgit Hagelschuer Lesezeit: Minute Minuten

Neu ist sie nicht! Kommt die Mechatronik deshalb aus der Mode? Keinesfalls, meint der CEO von Eplan im Interview mit dem SPS-Magazin. Aus seiner Sicht ist die Mechatronik ein durchaus komplexes Themenfeld. Prozessual und methodisch begriffen ist sie weiter aktuell - nur mit anderen Schwerpunkten.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelten - auch im Maschinenbau. Neue Technologien wie beispielsweise die Cloud haben längst Einzug gehalten. Bisherige Arbeitsweisen werden unter die Lupe genommen - da stellt sich die Frage, ob die Mechatronik noch State-of-the-Art ist? Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur vom SPS-Magazin will es - nicht nur in diesem Punkt - ganz genau wissen. Hier ein Auszug aus dem Interview mit Sebastian Seitz - veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe:

Kommt die Mechatronik langsam aus der Mode?

Sebastian Seitz: Nein, kommt sie nicht. Die Mechatronik ist ein breites und komplexes Spielfeld. Weniger wegen der dort eingesetzten Tools, sondern vielmehr, weil man sie als prozessuales und methodisches Thema begreifen muss – und damit als Disziplin-übergreifende Engineering-Aufgabe. Doch getrieben durch die Digitalisierung hat sich hier sicherlich über die letzten Jahre einiges geändert. Es hat z.B. große Fortschritte dabei gegeben, die Automatisierer und SPS-Programmierer in das mechatronische Engineering einzubinden. Spannende Entwicklungen gibt es genauso bei der Verbindung zum Schaltschrankbau und zur Feldverkabelung.

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"Das Thema Mechatronik hat durch die Digitalisierung eine gewisse Wandlung durchlaufen. An Aktualität verloren hat es aber nicht." Sebastian Seitz, CEO Eplan

Macht die Digitalisierung den mechatronischen Ansatz besser greifbar?

Die digitale Abbildung und Unterstützung von Prozessen bieten gute Hilfestellung, um den Nutzen der Mechatronik zu erschließen bzw. zu erhöhen. Allerdings können Software-Werkzeuge selbst nur ein Teil der Lösung sein. Für den größten Mehrwert muss man an anderer Stelle ansetzen, nämlich schon in der Organisation der Entwicklung. Hier gilt es, Silos aufzubrechen oder von Beginn an zu vermeiden.

Lässt sich ableiten, dass Unternehmen mit größeren Ressourcen auch tendenziell weiter bei modernen Engineering-Prozessen sind?

Dass die Firmengröße die bestimmende Triebfeder ist, halte ich für eine wackelige These. Meines Erachtens ist es eher davon abhängig, welche Art bzw. Kombination von Produkten und Leistungen man am Markt anbieten will. So gibt es auch viele Kleine, die ein tief integriertes Produktportfolio brauchen. Während manch Großer, der eher mechanisch dominiert ist, die Notwendigkeit des mechatronischen Engineerings nicht so sehr spürt.

Welchen Teil der gesamten Wertschöpfung kann Eplan heute begleiten?

Die DNA von Eplan ist und bleibt das Detail Engineering im Automatisierungsumfeld. Dafür haben wir die leistungsstärkste Software. Doch weil sie kein Allheilmittel ist, wollen wir Maschinenbauer und Endanwender mit unseren Lösungen auch in weiteren Wertschöpfungsphasen unterstützen. Dazu zählt etwa der digitale Zwilling eines Schaltschranks, für den unsere Tools die Grundlage liefern. Dazu gehört eine durchgängige Dokumentation und eine möglichst intelligente Gerätebeschreibung der eingesetzten Komponenten. An solchen Stellen lässt sich der große Mehrwert erzeugen.

BlogWie lässt sich sicherstellen, dass die gesamte Toolchain auch für kleine Mittelständler beherrschbar bleibt?

Die zentrale Frage ist: Wie schafft man einen vernünftigen Einstieg? Und unsere Antwort lautet: stufenweise. Eplan ermöglicht einen Start an genau der Stelle, an der es für den Kunden relevant wird. Und genau so, dass er den größten Benefit erzielt. Darauf aufbauend bieten sich dann viele weitere Funktionen, um Stück für Stück in das moderne Engineering hineinzuwachsen.

Mehr Kundennutzen im Blick

Mit seinem Partner Network bündelt Eplan das Knowhow von Kooperationspartnern mit Blick auf mehr Kundennutzen. Auf Basis offener Schnittstellen und moderner Integrationen ergeben sich vielfältige Chancen. Mittlerweile sind 40 Unternehmen im Eplan Partner Network beteiligt – darunter bekannte Namen wie ABBBosch RexrothB&REndress+HauserFestoIFM ElectronicLenzeMitsubishi ElectricPhoenix ContactPilzRittal oder Rockwell Automation. Auch Softwarepartner wie Contact SoftwareEncowayISD oder Procad sind an Bord.

Der Maschinenbau reagiert oft zögerlich , wenn es um die Adaption neuer Technologien und Prozesse geht. Wie gehen Sie damit um?

Dass der Maschinenbau an dieser Stelle sehr vorsichtig agiert, hängt stark mit seinen Produkten zusammen. Wenn man dafür verantwortlich ist, dass eine Anlage über 15 oder 20 Jahre zuverlässig ihren Dienst verrichtet, überlegt man sich technologische Sprünge gut. Diesem Ansatz hat sich Eplan ebenfalls ein Stück weit verschrieben. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Kunden mit einmal realisierten Lösungen auch in Zukunft weiter arbeiten können. Technologie- oder Generationswechsel dürfen also nicht bedeuten, dass der Anwender mit seinen bisherigen Arbeitsergebnissen nichts mehr anfangen kann. Das gilt für den Maschinenbau genauso wie für die Softwareentwicklung.

Ein Beispiel für neue Technologie bei Eplan ist das Cloud-Engineering.

Richtig. Die Verbreitung von Cloud-Technologie ist auch im Engineering ganz klar vorgezeichnet. Aber das geschieht nicht über Nacht. Deshalb verfolgen wir aktuell zwei Stoßrichtungen: Zum einen setzen wir auf ein passendes Zusammenspiel zwischen den Tools, die Eplan bereits für die Cloud anbietet. Zum anderen bewegen wir uns sukzessive in Richtung von Lösungen, mit denen sich Schaltpläne auch wirklich in der Cloud editieren lassen.

Eplan-Tools bekommt man jetzt nur noch im Subscription-Modell. Was sagen Ihre Kunden dazu?

Dieses Lizensierungsmodell verbreitet sich ja seit vielen Jahren unaufhaltsam in der Softwareindustrie. Entsprechend wird es auch bei uns sehr gut angenommen. Es gibt ja einige Vorteile. So senkt das Subskriptionsmodell z.B. die Einstiegshürde – rein preislich gesehen. Zudem sind Funktionalität und Umfang individuell anpassbar. Und auch der Ausstieg ist jederzeit möglich, ohne dass ein Initialinvest in den Sand gesetzt wird.

Lust auf mehr Infos? Lesen Sie hier das ungekürzte Interview von Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur des SPS-Magazins.

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